Nach 35 Jahren ist der Freeway Rider’s MC bei Freunden beliebt und bei Feinden verhasst. Auf beides sind die Freeways stolz.

Die einen MCs feiern hochstellige Jubiläen, während andere sang- und klanglos verschwunden sind. Familie, Mitgliederschwund oder böse Nachbarn hatten ihrem Club ein Ende gesetzt. Einige ziehen ihr Ding nun in kleinen Gemeinschaften durch, und andere lösen sich in größere Organisationen auf. Ist die Story der Gründung auch bei allen ziemlich gleich, so gehen doch nur wenige einen ganz besonderen, eigenen erfolgreichen Weg. Unter ihnen ist der Freeway Rider’s MC Germany.
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Der Totenkopf mit Mütze prägt die Szene

Vor 35 Jahren wurde in Hagen der Club von einigen jungen Kerlen gegründet, die gerne Motorrad fuhren und feierten. Sie ließen die Sau raus, testeten ihre Grenzen und gaben dem Ganzen einen Namen: Freeway Rider’s. Der Name nahm weniger Bezug auf amerikanische Straßen, es ging vielmehr um die Freiheit, die sie ausleben wollten. Die jungen Member trafen sich am Baggersee, in der Kneipe an der Ecke oder auf Parties. Ihr Zusammenhalt wuchs, und sie suchten sich ein einheitliches Abzeichen. Das erste war das Eiserne Kreuz im Rad, später der bekannte Totenkopf mit Mütze. Keiner ahnte damals, dass dieses Colour die Szene und das Leben vieler hundert Männer prägen würde.

Der erste Schritt führte nach Gelsenkirchen. Schon kurz nach der Gründung lernten die Hagener eine Gruppe Gleichgesinnter aus dieser Stadt kennen. Deren Chemie stimmte, und sie schlossen sich als Chapter an.

Aus Gelsenkirchen traten in den folgenden Jahren mehrere starke Persönlichkeiten hervor. Sie bauten an ihren Heimatorten neue Chapter auf. So entstanden Bochum, Lüdenscheid und Wanne-Eickel. Es gab auch weitere Ableger an anderen Orten, sie waren teils Eintagsfliegen, teils viele Jahre in der Familie, wenn sie auch heute nicht mehr dabei sind.

Es kam noch Siegen hinzu, das damit auch zu den Abteilungen gehört, die eine „20“ in der Jahreszahl führen und den alten Kern gebildet hatten. Dieser Kern war es, der den Ruf des Clubs begründete.

„Ruhrpottclub“, das war kein Kompliment. Im Pott ticken in vielerlei Hinsicht die Uhren anders, hier sind Malocher am Werk, Stahlkocher und Leute aus’m Pütt. Hier kommt der Begriff „Kumpel“ her. Zusammenhalt ist eine Lebenseinstellung. Wo Stadt an Stadt grenzt, kann sich keiner aus dem Weg gehen. So wurden manche Fronten schnell eröffnet und ebenso direkt geklärt. Aus der Zeit stammen Freundschaften, die keiner missen will, und es kam zu Kontakten, die keiner vergisst.

Wer mit den Freeway’s dicke war, der hatte Freunde, auf die er zählen konnte. Wer Theater hatte, konnte froh sein, wenn es nur was auf die Birne gab. Die ruppige Gangart gehörte zum Stil des Clubs. Ein Member musste zu seinem Wort stehen und die gemeinsamen Werte vertreten. Sich „gerade“ machen war das Leitmotiv im Club und eine Grundvoraussetzung für Neulinge. Getestet über das Probenboxen wurden ihre Namen auf Zettel notiert, in einen Helm geschmissen und Ringpaarungen ausgelost. Sprücheklopfer wurden dagegen auch schon mal mit einem eingeführten Tannenzapfen heimgeschickt.

Zu der Zeit füllten die Freeway’s mehr die Jail Mail-Seiten der BIKERS NEWS als die Partyberichte. Das hatte den Club geformt. Viele aus der alten Garde haben erfahren, wie es ist, nicht im Knast vergessen zu werden. Freundschaft zählte nicht nur an der Theke, draußen hielten die Jungs die Fahne hoch. So bildeten sie eine verschworene Gemeinschaft.


Einer der größten deutschen Motorradclubs

Mitte der Neunziger Jahre begann der Umbruch. Aus dem relativ übersichtlichen Chapterverband wurde einer der größten deutschen Motorradclubs. Innerhalb weniger Jahre vervierfachte sich der Freeway Rider’s MC zu vielen hundert Membern. Waren es zuvor Einzelpersonen und Gruppen, die sich in die Chapter integrierten, wechselten jetzt gestandene Clubs zu Prospect- Chaptern. Das waren über Jahre gewachsene Gemeinschaften, die sich an ihren Standorten auch schon alleine durch gesetzt und sich einen Namen gemacht hatten. Teilweise blickten diese Clubs auf eine eigene 20-jährige Geschichte zurück. Nicht Politik oder Geschäfte bestimmten ihren neuen Weg, sondern der Wunsch nach einer großen Familie.

Der Blue Angels MC Essen machte den Anfang. Es folgten Animals MC Dinslaken, Dog Soldiers MC Essen, Blue Angels MC Bad Kissingen, Nightdrivers MC Bottrop, Road Runner MC Fulda, White Punks MC Bochum, MC Wesermünde, Flying Skulls MC Goch, Road Riders MC Moers, Road Riders MC Kamp Lintfort, Greif MC Hennef, Meadows Clan MC, Bruderschaft MC und der Kodiaks MC Bitterfeld. Hinzu kamen Ableger dieser teilweise zahlenmäßig sehr starken Chapter in andere Städte und Gründungen durch enge Freundeskreise aus freien Bikern. Dillenburg, Emmerich, Geldern, Hattingen, Krefeld, Lennetal, Olpe, OWL, Rennerod, Rheinberg und Wattenscheid reihten sich ein.

Die einen gaben ihre Farben auf und mussten sich anpassen, die anderen lernten ihren Club mit den Neuen zu teilen und sie zu akzeptieren. Jeder verlor ein wenig und gewann um so mehr. Das konnte das bürgerliche Leben nicht bieten, und die Männer waren bereit, dafür auch starke Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen.

„Ruhrpottclub“ ist heute etwas, worauf der Freeway Rider’s MC besonders stolz ist. Gibt es inzwischen auch Ableger in Hessen,Bayern, an der Küste oder im Osten, so ist es doch dieser Charakter, der für die Member zählt. Pottclub heißt Kameradschaft, Familie, Solidarität. Es sind immer noch die Malocher am Ruder. Ob Geld, Bier oder auch mal die Sorgen - es wird geteilt. Das Menschliche wird nicht ausgeschlossen, der Kumpel ist auch in schlechten Zeiten nicht scheißegal. Es zähltkeine Bikemarke oder dicke Brieftasche, nur der Mann. Die Familie ist nicht außen vor, sondern ein wichtiger Bestandteil der ganz großen Family. Für den Bruder macht man sich gerade, nicht für ein Geschäft. Deshalb ist der Freeway Rider’s MC für die meisten seiner Mitglieder der einzige Club, in dem sie eine Heimat finden. Hier werden die Marotten des einzelnen Members akzeptiert, es wird die gleiche Sprache gesprochen. Es stehen Bauarbeiter, Bergleute, Kraftfahrer und Arbeitslose neben Kollegen aus dem „Unterhaltungsgewerbe“. Im Ballungsraum Ruhrgebiet/Niederrhein findet ein Freeway-Member nahezu in fast jeder Stadt ein Clubhaus und damit ein Zuhause, das ihm offen steht.
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